Auf dieser Seite möchte ich Ihnen Romane und Sachbücher vorstellen,
von denen ich hoffe, dass Sie sich dafür interessieren. Die aktuellen
Vorschläge finden Sie jeweils am Anfang.
Viel Vergnügen - denn Sie wissen ja:
Die Lust an der Literatur ist auch die
Lust am Leben (Elke Heidenreich).
Dr. Stefan Woinoff
Überlisten Sie Ihr Beuteschema -Warum
immer mehr Frauen keinen Partner finden
und was sie dagegen tun können
Mosaik bei Goldmann
230 Seiten, Euro 14,95
Immer mehr erfolgreiche und attraktive
Frauen finden einfach nicht den passenden Partner,
mit dem sie ihr Leben teilen und auch eine Familie
gründen können.
Dr. Stefan Woinoff deckt die Ursache dafür auf: das
Beuteschema. Dieses archaische Verhaltensmuster
lässt auch moderne, emanzipierte Frauen unbewusst
nach dem überlegenen Ernährer und starken Beschützer
Ausschau halten. Das Problem dabei: Je stärker sie
selbst sind, desto weniger Männer stehen zur
Auswahl. Vielleicht gibt es aber doch einen Ausweg
aus diesem fatalen Partnerschaftsdilemma: Mit guten
und einsichtigen Ratschlägen sowie praktischen
Übungen regt Stefan Woinoff an, das eigene
Beuteschema zu überdenken und sich auf das zu
besinnen, was man wirklich von einem Partner und
einer Partnerschaft erwartet. Denn zu ihrem
persönlichen Glück benötigt die erfolgreiche Frau
keinen reichen Ernährer mehr. Sie kann sich die
Freiheit nehmen, ganz andere, spannendere oder
exotischere Männer als Partner zu wählen....
Antje Ravic Strubel
Kältere Schichten der Luft
S. Fischer Verlag
189 Seiten, € 17.90
Heute ist die Rezension geklaut
von Denis Scheck - ausnahmsweise, denn: schöner kann
man nicht schwärmen...
"Einen betörenden, aber an keiner Stelle kitschigen
Liebesroman möchte ich Ihnen vorstellen - schlicht
die durchgeknallteste, aber auch faszinierendste
Love Story, die ich seit langem gelesen habe.
Schauplatz ist ein Sommercamp für junge deutsche
Urlauber in Schweden, denen für kleine Münze die
Begegnung mit der unberührten Natur versprochen
wird.
Das Unberührte, Jungfräuliche, auch sexuell für
alles Offene ist das Thema dieses Romans. Strubel
erzählt darin von der Liebe zwischen zwei Frauen -
und doch ist es streng genommen keine lesbische
Liebesgeschichte. Genau das hat mit der
erkenntnisstiftenden Lust zu tun, die dieses Buch
bereitet.
Im schwedischen Sommercamp, das sich auf Kanufahrten
für Jugendliche spezialisiert hat, lernt die
Betreuerin Anja eine geheimnisvolle, elfenhafte Frau
kennen. Dieses quecksilbrig-irrlichternde Wesen
namens Siri verjüngt Anja, führt sie in einem
magischen Redestrom zurück an die Schwelle zum
Erwachsenwerden, ins Teenageralter, wo alle Türen
offen stehen, inklusive der geschlechtlichen Option:
aus Anja wird ein Junge namens Schmoll und Siris
Geliebter.
Das ist eine Verwandlung, wie sie nur große
Literatur glaubhaft zu schildern vermag. So
aufregend anders wurde lange nicht mehr von der
Liebe erzählt: cool, und doch romantisch, ein Buch,
das lange in einem nachhallt, einfach weil es alles
in Frage stellt, was man über Mann und Frau und die
Liebe zu wissen glaubte.
Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und
lesen Sie Kältere Schichten der Luft von Antje Ravic
Strubel."
Wolfgang Hantel-Quitmann
Liebesaffären - Zur Psychologie
leidenschaftlicher Beziehungen
232 Seiten, € 19,90
In einem wirklich interessanten und gut zu lesenden Buch hat der
Psychoanalytiker Hantel-Quitmann versucht, die "Psychologie
leidenschaftlich Verliebter" darzustellen (und das auf eher
literarische als auf psychologische Weise).
Aus dem Inhalt (unter anderem): Liebessehnsucht - Liebesaffären
zwischen Schicksal und Schuld - Die große Liebe - Liebesaffären
und sexuelle Leidenschaften - Der Verführer - Die Liebesaffären
der Frauen ...
Hantel-Quitmann entwickelt an Beispielen aus seiner paartherapeutischen
Praxis, großen Werken der Weltliteratur und den Liebesaffären berühmter
Paare eine Psychologie der Liebesaffären - für alle, sie sich aus
literarischem, psychologischem, rein menschlichem oder gar privatem
Interesse mit dem Thema beschäftigen - bevor die nächste Liebesaffäre
als Ende aller Liebe, moralisch verwerflich oder schicksalhaft
missdeutet werden könnte ...

Bernhard Ludwig
Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit
79 Seiten, € 14,95
Wie wird man sexuell unzufrieden? Indem man seine Erwartungen möglichst
hoch schraubt - oder auch: Sexuelle Unzufriedenheit bemisst sich aus
dem Verhältnis Erwartetes dividiert durch Erreichtes. Was die Männer
so im Sexuellen erwarten und was sie erreichen, ist also ein Bruch,
dessen Nenner gern größer als der Zähler ist. Was Frauen erwarten,
ist schlicht: mehr. Mehr zum Geburtstag, mehr zu Weihnachten und mehr
Abfindung bei der Scheidung, aber auch mehr in der Partnerwahl, als
die Evolution für sie vorgesehen hat. Dumm gelaufen, Wie dumm genau,
erfährt man gnadenlos im Kapitel "Das Drama der begabten Frau", die
sich auf der Suche nach dem richtigen Partner mit einem Underdog
beschieden hat und ihn fortan in einer Art zweiten Bildungsweg zum
Gesamtkunstwerk, Alphamännchen oder Prinzen weiterbilden muss. Was
ja leicht schief geht, denn die Chancen der postamourösen Fortbildung
sind im wirklichen Leben gleich null ...
Basierend auf einem der erfolgreichsten Kabarettprogramme Europas ist
dieser Comic das beste Geschenk für sexuell Unzufriedene, also für
die meisten Menschen: alle Probleme lassen sich mit diesem Buch
einfach weglachen!

Hauke Brost
Wie Männer ticken
Schwarzkopf & Schwarzkopf
250 Seiten, € 10,00
Hauke Brost, 56, Kolumnist, hat sich aufgemacht, den Mann zu ergründen.
135 Fragen von Frauen zum Thema "Mann" hat er gesammelt - und von
Männern beantworten lassen.
Mit selbstironischem Blick enthüllt er die ganze Wahrheit über die
männliche Spezies und gewährt interessante Einblicke in die Männerwelt:
Warum hat er plötzlich weniger Lust auf Sex als früher? Wie oft sollte
ich mit ihm schlafen? Warum vergessen Männer alles, was man ihnen erzählt?
Gehört er im Job zu den Guten oder zu den Luschen? Was verschweigt er mir?
Hauke Brost offenbart uns in diesem Buch die männliche Charakter- und
Gefühlswelt - eine unverzichtbare Lektüre, und nicht nur für Frauen ein
absolutes Lesevergnügen: witzig, treffend, kurzweilig, aufklärerisch und
erhellend!

Francois Lelord & Christophe André,
Die Kunst der Selbstachtung
Kiepenheuer, 320 Seiten, € 15,90
Hand aufs Herz - können Sie sich selber leiden? Mit all Ihren
Schwächen? Lässt eine innere Stimme Sie immer wieder an Ihrem
Können zweifeln - oder meinen Sie vielleicht, dass Ihnen keiner
das Wasser reichen kann? Selbst Berühmtheiten wie Darwin oder
Kafka litten unter erheblichen Selbstzweifeln. Von anderen
akzeptiert zu werden und auch mal meutern zu können - das
ersehnen sich Menschen mit geringem Selbstvertrauen.
Andererseits kann ein stark ausgeprägtes Selbstbewußtsein zum
Bumerang werden: man neigt beispielsweise dazu, Konkurrenzsituationen
zu unterschätzen. Die Autoren geben eine Fülle von Ratschlägen,
wie man es anstellt, sich mit genügend Selbstachtung gegen
Angriffe von innen und außen zu wappnen. Anekdoten, eine Prise
Theorie und ein leichtes Augenzwinkern helfen dabei, die richtige
Balance zum Glücklichsein zu finden. Ein klares, intelligentes
und pragmatisches Buch zu einem Thema, das viele angeht.
Über die Autoren:
Der Psychologe Francois Lelord, geb. 1953, schloss 1996 seine
Praxis, um sich und seinen Lesern die wirklich großen Fragen des
Lebens zu beantworten. "Hectors Reise oder Die Suche nach dem
Glück" wurde ein internationaler Erfolg und stand wochenlang
ganz oben auf der Bestsellerliste.
Christophe André, geb. 1956, studierte Medizin und Psychologie
und arbeitete nach seiner Promotion als Psychologe. Er
veröffentlichte zahlreiche Bücher zu psychologischen Themen.

Eva-Maria Zurhorst, Liebe dich selbst
und es ist egal, wen du heiratest
Goldmann Arkana, 380 Seiten, € 17,00
Die Beziehung, die Sie gerade haben, ist die beste, die Sie kriegen
können - machen Sie etwas daraus!
Wir haben uns heute so auf Konsum und Wegwerfen eingestellt, dass
das Grundmuster der Ersetzbarkeit inzwischen auch unsere
Partnerschaften prägt. Fast die Hälfte aller Ehen wird wieder
geschieden, und zweimal oder öfter zu heiraten, ist heute nicht
mehr ungewöhnlich. Der Wunsch, stets das Beste für sich zu wollen,
wird meist begleitet von der Illusion, das Beste müsse auch
mühelos zu bekommen sein: The easy way! Und wenn es die eine
Partnerschaft nicht gebracht hat, dann vielleicht die nächste.
Anhand zahlreicher Beispiele aus ihrer Praxis macht die Autorin
deutlich, woran es hakt, wenn vom Anfangsglück einer Partnerschaft
nicht mehr viel übrig bleibt außer Enttäuschung, Ärger und Frust.
Über die Autorin:
Eva-Maria Zurhorst war ursprünglich als
Journalistin für Printmedien und Hörfunk tätig. Später wurde
sie Kommunikationsberaterin und wechselte in die Wirtschaft. Nach
einer Zusatzausbildung zur Psychotherapeutin arbeitet sie heute
als Beziehungs- und Karrierecoach mit Unternehmern, Managern und
Paaren. Eva-Maria Zurhorst lebt mit ihrer Tochter und ihrem Mann
in Wuppertal.

Horst Janssen, "Ach, Liebste, flieg mir nicht weg"
Briefe an Gesche,
herausgegeben von Gesche Tietjens
Rowohlt, 250 Seiten, € 22,95
"Allein bin ich gut. Zu zweit bin ich eine Katastrophe. Ich kann
nicht allein sein."
1968 lernen sich Horst Janssen und Gesche Tietjens anlässlich
einer Ausstellung in Hamburg kennen. Bald darauf sind sie ein
Paar, und Janssen beginnt, ihr zu schreiben. Gesche war für ihn
der erste Mensch, "der sozusagen immer einen winzigen Schritt
zu dem Motiv vorausging", zu dem er "eigentlich" wollte. Seine
in scheinbar schwerelosem Stil gehaltenen Briefe an sie werden
hier erstmals veröffentlicht. Sie sind poetisch, verspielt,
zärtlich, geistreich, exzentrisch, mitunter kauzig - und
spiegeln somit Janssens Charakter. Gemeinsam mit den
zahlreichen Zeichnungen und unbekannten Fotos geben sie das
außergewöhnliche Bild einer außergewöhnlichen Beziehung.
Zur Herausgeberin:
Gesche Tietjens, am 3. April 1943 in Hamburg
geboren. Aufgewachsen im ländlichen Teil von Blankenese.
Kunstschule, Reisen (Paris, Florenz, Athen), zwei Jahre
Gebrauchsgrafik in Berlin. Rund vier Jahre Fusion mit Janssen.
Seit 1973 in "lieblicher Entfernung zu sich selbst" auf dem
Lande lebend. Vielfältige künstlerische Projekte. Zwei Kinder,
drei Enkel.
Peter Handke, Don Juan (erzählt von ihm selbst)
Suhrkamp, 160 Seiten, € 16,80
"Ein Blick, der glücklich macht." Iris Radisch, Die Zeit
"In diesem Buch des Übermuts entsteigt Don Juan quicklebendig dem
Jungbrunnen der alten Epik." Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung
"Schon auf den ersten Seiten ist man umfangen von jenem sicheren,
knappen, traumverlorenen Ton, der uns vertraut ist aus Handkes besten Büchern."
Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau
"Das ist Handke-Land, wie es heute kein anderer Autor zu erfassen
und zu schreiben vermag, ein Tableau, in den Motiven und Einzelheiten
gelockert, moderne und bis zum Erschrecken genaue Romantik."
Martin Meyer, Neue Zürcher Zeitung
Über den Autor:
Handke, Peter, * 6. 12. 1942 Griffen (Kärnten), Schriftsteller und
Übersetzer, auch Filmautor und -regisseur. Brach das Jurastudium
in Graz (1961-65) ab, als er erste literarische Erfolge
("Die Hornissen", 1966) erzielte. Nach wechselnden Wohnsitzen in
Österreich, Deutschland, Frankreich und den USA (1978/79) lebte
Handke 1979-88 in Salzburg, seither wieder in Frankreich und Salzburg.
Ralf Rothmann, Junges Licht
Suhrkamp, 240 Seiten, € 19,80
Eigentlich ist alles ganz einfach in diesem Buch. Eine schlichte
Geschichte wird erzählt, penibel und naturalistisch. Die Menschen
sprechen ein krudes Ruhrpott-Deutsch. Julian, der Junge im
Mittelpunkt, noch zwölf, gefangen in der Langeweile ereignisloser
Ferientage. Um plötzlich hineingezogen zu werden in die Welt der
Älteren. Die ist brutal. Sie birst vor unterdrückten Aggressionen,
unerfüllten Wünschen, ausgehungerter Sexualität. Da haben wir die
Mutter, die im Unterrock die Küche regiert. Marusha, die Lolita,
eine frühreife Versuchung. Mittendrin der Vater, anrührend in
seiner Hilflosigkeit. Die Mischung der Charaktere erzeugt Spannung
und den Sog von Schlingpflanzen: je mehr du dich darauf einlässt,
umso geringer wird die Chance zu entkommen. Dabei ist es fast
nebensächlich, dass es sich bei dem Roman Junges Licht um große
Literatur handelt. Die, o Wunder, fliegt aber nicht elitär über
die Köpfe hinweg, sondern erschließt sich jedem, der mit dem Herzen
liest. Rothmanns Figuren sind keine Helden, stattdessen Nobodys,
gefesselt in Sprachlosigkeit. Die ungestümen Gefühle, die sie
umtreiben, führen zur Tragödie - es fehlt die Stärke, den fahrenden
Zug anzuhalten. Das "junge Licht" wird nicht ausgeblasen, es
flackert nur. Julian kommt zu der Erkenntnis: "Wenn du dich für
die Freiheit entschieden hast, kann dir gar nichts passieren. Nie."
Über den Autor:
Ralf Rothmann, 1953 in Schleswig geboren, aufgewachsen im Ruhrgebiet,
lebt seit 1976 in Berlin. Für Junges Licht erhielt er den mit
25 000 Euro dotierten Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, eine von der
Stadt Braunschweig gemeinsam mit DeutschlandRadio vergebene Auszeichnung.
Dr. Uwe Böschemeyer, Worauf es ankommt
Verlag Piper, € 22,90
Werte, die wichtig sind für ein glückliches Leben.
Immer mehr Menschen erfahren heute ein Leben ohne Werte und ohne Sinn.
Dagegen hat der Psychotherapeut Uwe Böschemeyer, ein Schüler Viktor E.
Frankls, das Konzept der "wertorientierten Persönlichkeitsbildung"
entwickelt. Anhand aktueller Lebensthemen wie der Verantwortung der
Eltern, dem Glück, dem Selbstvertrauen, der Lebensangst, dem
Verlassensein oder dem Alter zeigt er, wie wichtig Werte für ein
geglücktes Leben sind. Mit seinem Konzept arbeitet er seit Jahren
erfolgreich. Durch sein Buch spricht er Menschen an, die sich in
einer Sinnkrise befinden und dadurch Gefahr laufen, an Körper und
Seele zu erkranken.
Über den Autor
Uwe Böschemeyer, geboren 1939 in Oranienburg, Theologe und Psychotherapeut.
Ausbildung bei Viktor E. Frankl. Er leitet das "Hamburger Institut
für Existenzanalyse und Logotherapie" und ist Professor an der
Europäischen Psychotherapie Akadamie Wien. Autor zahlreicher Bücher.
Bei Piper: "Das Leben meint uns".
Alain de Botton, Trost der Philosophie
Fischer TB, 320 Seiten, € 9,90
"Das Leben ist eine mißliche Sache, ich habe mir vorgesetzt, es damit
hinzubringen, über dasselbe nachzudenken", beschloss Arthur
Schopenhauer bereits in jungen Jahren. Alain de Bottons neues Buch
versucht sich an der Frage: Kann das Nachdenken solch eingefleischter
Pessimisten wie Schopenhauer Menschen Trost spenden, die sich in einer
"misslichen" Lage befinden und an sich oder am Leben zweifeln?
Über den Autor
Alain de Botton versucht, anhand der Philosophie und Lebensgeschichte
einiger bekannter Philosophen (Sokrates, Epikur u.a.) so etwas wie
einen praktischen, tröstenden Zweck der Philosophie vor Augen zu führen,
was er mit angenehmer Sprache und verständlichen Schlüssen tut.
Rainer Maria Rilke, Briefe an eine junge Frau
Insel Verlag, 110 Seiten, € 8,80
Die Briefe an eine junge Frau sind lange nicht so bekannt wie manch
anderer Text des produktiven Dichters Rainer Maria Rilke, aber sie
sind durchaus lesenswert und nicht nur für Leute, die sich mit Rilke
beschäftigen (müssen), sondern auch zum Beispiel für unglücklich
Verliebte oder solche, die eine etwas geschwungene, poetische
Sprache auf der Zunge spüren wie eine gute Praline... Wer die
"junge Frau" war, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, aber darum
geht es auch nicht. Die Briefe Rilkes sind in diesem Insel-Bändchen
so herausgegeben, daß sie eine Art eigenständiges kleines Werk
darstellen. Sie könnten auch fiktiv sein, die Briefe, zu denen
man die Antwort nicht kennt. Die Dialogstruktur schimmert trotzdem
durch die jeweiligen Antworten hindurch und läßt die Texte nicht
wie ein halb mitgehörtes Gespräch wirken, sondern auf ihre Art
vollständig. Der erste Brief macht klar: Die Frau hat Rilke
unbekannterweise geschrieben, einfach, weil sie sich mit dem, was er
für sie durch seine Werke verkörpert, verbunden fühlt und Kontakt
sucht; und er erklärt sich bereit, dieses Vertrauen zu erwidern und
aufzunehmen. Das ist der Anfang. Es folgen Betrachtungen über das
Leben in Einsamkeit und über die Liebe, über die Beziehungen zwischen
Männern und Frauen, die Folgen des Ersten Weltkrieges. Rilke
verkörpert hier den Typus des einfühlenden, platonisch liebenden
Helden, der sich um die Frau sorgt, die sich ihm anvertraute, der
sie mit schönen und traurigen Worten umspielt und selbst einer der
einsamsten Menschen auf der Welt ist.
Über den Autor
Rilke (1875-1926) , der Prager Beamtensohn, wurde nach einer
erzwungenen Militärerziehung 1896 Student, zuerst in Prag, dann in
München und Berlin, weniger studierend als dichtend. Die kurze Ehe
mit der Bildhauerin Clara Westhoff in Worpswede löste er 1902 auf. Er
bereiste darauf Italien, Skandinavien und Frankreich. In Paris schloß
er Bekanntschaft mit Rodin und wurde dessen Privatsekretär. Bereits
nach acht Monaten kam es zum Bruch. Es folgten unstete Jahre des
Reisens mit Stationen in verschiedenen Städten Europas. Nach seinem
Entschluß zur Berufslosigkeit und zu einem reinen Dichterdasein war
Rilke zu jedem Verzicht bereit, wenn es dem Werk galt. Er opferte sein
kurzes Leben seiner Kunst und gewann Unsterblichkeit.
Im Ersten Weltkrieg war er zur österreichischen Armee eingezogen, wurde
aber seiner kränklichen Konstitution wegen in das Wiener Kriegsarchiv
versetzt. Rilke starb nach langer Krankheit in Val Mont bei Montreux.
Jeffrey Eugenides, Middlesex
Rowohlt Verlag, 816 Seiten, € 24.90
Ähnlich wie bei Franzen geht es um Familienbande, Generationenkonflikte,
um amerikanische Träume und Albträume. Außerdem ist Middlesex ein
Roman über ethnische Identität und kulturelle Prägungen.
In einem griechischen Bergdorf am Hang des kleinasiatischen Olymp
fing alles an. Ein junger Mann und eine junge Frau, die Geschwister
Eleutherios und Desdemona Stephanides, fliehen vor den Türken nach
Smyrna und, als die Stadt brennt, weiter nach Amerika. Es ist das
Jahr 1922. Auf dem Schiff, weit weg von allem, erschaffen sie sich
als einander Unbekannte neu: Sie heiraten, verbringen ihre erste
gemeinsame Nacht in einem Rettungsboot.Nachdem die Familie sich im
Detroit der Nachkriegszeit schlecht und recht durchgeschlagen hat,
gerät sie ausgerechnet durch den "Krieg in meiner Heimatstadt" -
die blutigen Rassenunruhen Ende der 1960er-Jahre - über Nacht auf
die Sonnenseite.
Über den Autor
Jeffrey Eugenides wurde 1960 in Detroit / Michigan geboren und lebt
heute mit Frau und Tochter in Berlin, wohin ihn Stipendien des DAAD
und der American Academy gelockt haben. Sein Debütroman "The Virgin
Suicides" (dt. "Die Selbstmord-Schwestern") erregte weltweit Aufsehen
und wurde im Jahr 2000 von Sofia Coppola verfilmt. Wie Jonathan
Franzen rechneten ihn Kritiker in der Zeitschrift The New Yorker
unter die "Twenty Writers for the 21st Century" und in der Zeitschrift
Granta unter die "Best Young American Novelists"
Margaret Mazzantini, Geh nicht fort
Frankfurter Verlagsanstalt, 318 Seiten, € 22.90
Margaret Mazzantini hat mit "Geh nicht fort" einen in Italien sehr
erfolgreichen Roman geschrieben. Ein packendes Buch über die Intimität
eines Mannes, die mitreißende Geschichte einer großen aufrichtigen,
schicksalhaft verlaufenden verbotenen Liebe.
Als Angela, die 15jährige Tochter des erfolgreichen Chirurgen Timoteo,
mit ihrem Motorroller einen Unfall erleidet und bewußtlos mit schweren
Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wird, gerät Timoteos Welt
ins Wanken. Während er unter Schock vor der Tür des Operationssaals
wartet, in dem Kollegen um das Leben seiner Tochter kämpfen, überschlagen
sich seine Gedanken. Timoteo geht mit sich ins Gericht, legt Rechenschaft
ab, Rechenschaft über eine leidenschaftliche verbotene Liebe zu einer
Frau, die nicht Angelas Mutter ist. Verzweifelt auf die erlösende
Nachricht wartend, daß seine Tochter am Leben bleiben wird, entblößt er
eine dunkle Seite seiner Seele, die Wahrheit über sich, die er bislang
unterdrückt hatte. "Geh nicht fort" ist die überzeugende, einfühlsam
geschriebene Geschichte einer großen geheimen Leidenschaft. Ein
schonungslos offener, packender Roman über die tiefsten Gefühle, über
die Intimität eines Mannes, über etwas, das dieser "Mann von Welt"
unausgesprochen, ungedacht, ungelebt läßt. Margaret Mazzantini seziert
die männliche Seele und trifft den Leser mitten "ins Herz".
Über den Autor
Margaret Mazzantini, 1961 in Dublin geboren, wuchs in Irland und in
der Toskana auf. Ihre Karriere begann sie als Schauspielerin auf der
Bühne: 1984 wurde sie in Italien als "Beste Schauspielerin des Jahres"
ausgezeichnet. Als Schriftstellerin begeisterte sie vor allem mit
ihrem sensationellen Debütroman "Die Zinkwanne" (FVA 1996). Margaret
Mazzantini lebt heute in Rom. Sie ist mit dem bekannten italienischen
Filmschauspieler und Regisseur Sergio Castellito verheiratet und
hat drei Kinder.
Michel Faber, Das karmesinrote Blütenblatt
List Verlag, 1056 Seiten, € 24.90
Sie ist berühmt für die geheimnisvolle Kraft ihrer Erotik und zugleich den
Gesetzen ihres Gewerbes unterworfen. Bis sie auf den Mann trifft, der
ihr so sehr verfällt, dass er ihr fast zum Verhängnis wird. Das karmesinrote
Blütenblatt erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Fall und Aufstieg von
Sugar, einer jungen Prostituierten, die letztlich zu einer ganz eigenen Art
von Freiheit findet. Ein erotischer Roman, der meisterhaft mit den Mitteln
der erzählerischen Verführung spielt.
London 1874. Das viktorianische Zeitalter steht in voller Blüte, als William
Rackham, glückloser und zu Müßiggang neigender Erbe eines Parfümimperiums,
auf Sugar trifft. Es ist eine Begegnung, die beider Leben ändern soll. Im
Alter von nur 13 Jahren von ihrer Mutter zur Prostitution gezwungen, teilt
Sugar das Schicksal der anderen Huren der Stadt. Und doch strahlt sie etwas
aus, das sie über die anderen erhebt und ihr den Luxus erlaubt, mit nur
einem Liebhaber am Tag ihr Auskommen zu finden. Auch William Rackham verfällt
nicht nur ihren - wahrhaft meisterlichen - erotischen Künsten, sondern vor
allem ihrer Fähigkeit, mit ihm über Literatur und die Empfindlichkeiten
seiner Seele zu parlieren. Mit ihr wendet sich sein Schicksal, denn um sie
erobern zu können, wird er schon bald zu einem der erfolgreichsten
Unternehmer der Stadt. Und Sugar hat teil an seinem sozialen Aufstieg - bis
sie erkennen muss, dass das bürgerliche Leben, in dessen Sog sie zunehmend
gerät, ihr als Frau größere Fesseln anlegt, als sie es sich in ihrer
früheren Existenz je hätte träumen lassen.Das karmesinrote Blütenblatt ist
ein sinnlicher und zugleich höchst moderner Roman - vor allem aber eine
unvergessliche Geschichte um die Hoffnungen und Täuschungen der Liebe.
Über den Autor
Michel Faber wurde 1959 in Holland geboren, zog im Alter von sieben Jahren
mit seinen Eltern nach Australien und lebt heute mit seiner Frau Eva Youren
und deren beiden Söhnen in einem umgebauten Bahnhof im schottischen Hochland.
Er hat bislang einen Roman, zwei Novellen und einen Erzählungsband
veröffentlicht, für die er von der literarischen Kritik gefeiert wurde. Mit
Das karmesinrote Blütenblatt, das in den USA, Kanada und Australien zum
Bestseller wurde, gelang ihm der literarische Durchbruch.
Monika Maron, Endmoränen
S. Fischer Verlag, 252 Seiten, € 19.90
Das Ende des Sommers, lange als Zumutung empfunden, erlebt Johanna seit einigen
Jahren als Erleichterung. Die Hoffnung, mit der Zeitenwende das wirkliche Leben
erst zu beginnen, ist dem Gefühl gewichen, nichts zu können, was die veränderte
Welt braucht. Früher hat sie geheime Botschaften in ihren Vor- und Nachworten
und in überliefernswerten Biografien versteckt, eine plötzlich überflüssige
Fähigkeit, wie auch die weltabgewandte Charakterfestigkeit von Achim, ihrem
Mann, eine überflüssige Tugend geworden ist. Auf dem Land, in einer nordöstlichen
Endmoränenlandschaft, versucht sie, gleichsam in einem Panoramablick, ihre
biografischen Standort zu bestimmen, rückblickend, vergleichend und ratlos,
was die vor ihr liegende Zeit angeht.Johannas entschlossene und lebenskluge
Freundin Elli benutzt das Wort Glück seit langem nur in seinen trivialen
Zusammenhängen. Die erfolgreiche Malerin und Erbin eines Verwalterhauses
Karoline Winter, vor jeder Flugreise in Todesangst, verzweifelt am Verfassen
ihres Testaments, weil sie keine Erben hat. Christian, der alte Freund aus
München, Lektor in einem Wissenschaftsverlag, erlebt den Sturz in die
Bedeutungslosigkeit. Die Lebensentwürfe aller scheinen erschöpft, und die
Zeit vor ihnen ist noch lang.
Hans Pleschinski, Bildnis eines Unsichtbaren
Carl Hanser Verlag, 270 Seiten, € 19.90
Ein Münchner Galerist und sein langjähriger Lebensgefährte erleben Jahre
bewegter Liebe und künstlerischen Austauschs, Jahre der Trauer um die
Sterbenden und Angst vor dem eigenen Tod. Der Roman zeichnet im Rückblick
ein Bild der neuen Boheme am Ende des 20. Jahrhunderts - es ist zugleich
ein zeitloses Buch über Glücksmomente und unbändige Lebensfreude.
Hans Pleschinski wurde einem breiten Publikum vor allem durch die
Herausgabe und hervorragende Übersetzung der Briefe Madame de Pompadours
bekannt.
Sein neues Buch "Bildnis eines Unsichtbaren" ist ganz anders. Es ist
ein sehr persönlicher, autobiografischer Roman, in dem Pleschinski die
Zeit der Freundschaft mit Volker Kinnius beschreibt. Über dreiundzwanzig
Jahre lebten die beiden Männer in einer sehr engen Beziehung zusammen, die
weit über das Sexuelle hinausging. Der Titel erweist sich als Wegweiser,
Volker ist der heute Unsichtbare, denn er ist tot. Gestorben an den Folgen
von Aids und einer Krebserkrankung. Pleschinski setzt mit der Beschreibung
der Jahre, die sie zusammen verbracht haben, dem verstorbenen Freund ein
wunderbares Denkmal, wortgewandt, sprachgewaltig und in einem überaus
eleganten Stil.
Gleichzeitig entsteht so ein sehr farbiges Bild des Lebens als Boheme,
denn Volker hat sich als Galerist nie gesellschaftlichen Erfordernissen
angepasst. Beide Männer leben zu Beginn ihrer Freundschaft für die schönen
Künste, Malerei, Musik, Theater, Literatur, das Schöne, das sind ihre
Themen in lange, tagefüllenden Gesprächen. "Dann wieder wurde Sprache
zur Unterfütterung der Welt, ihr wackeliges Gerüst, und die Malerei
wieder zum Prisma, das Theater zum Spiegel der Regungen. Alle Künste
im Wechselspiel, alle unersetzlich." Im Hintergrund entwirft Pleschinski
ganz nebenbei auch eine sehr genaue politische und gesellschaftliche
Geschichte Deutschlands vom Kriegsende bis zur Gegenwart. In das
unbeschwerte Bohemeleben schlägt Aids wie eine Bombe ein. Viele Namen
im Adressbuch sind in der Zwischenzeit gelöscht, die Krankheit hat
erbarmungslos gewütet. Die Liebe zwischen Volker und Hans ist schwierig,
Hans geht immer wieder wechselnde Beziehungen zu Frauen und Männern ein.
"Meinen Fang mußte ich, nach sehr langem Zögern Volker vorführen. Ich
wünschte, daß sich mein Lebensgefährte und mein Geliebter verstünden,
einander und vor allem mich von beiden Seiten bereicherten." Eifersucht?
Sie ist, auch wenn sie intellektuell bekämpft wird, unterschwellig immer
vorhanden.
Sandor Marai, Wandlungen einer Ehe
Piper Verlag, 460 Seiten, € 19.90
Lüge und Leidenschaft, Sehnsucht und Vergänglichkeit - das neue Meisterwerk
von Sandor Marai. "Für den Abend des Galadiners wählte ich eine reinseidene
weiße Robe, legte die Blaufuchsstola um, steckte mir das Veilchensträußchen
mit dem lila Band in den Ausschnitt – dem gleichen Band, wie ich es kürzlich
in der Brieftasche meines Mannes gefunden hatte. Ich war so schön an jenem
Abend, daß selbst er, mein Mann, es bemerkte, als er zufällig meinen Blick
im Spiegel streifte. Lazar, der Schriftsteller geleitete mich in den
festlich erleuchteten Wintergarten und sprach mich auf meine außergewöhnliche
Ausstrahlung an: Sind Sie verliebt? Ja, antwortete ich. In meinen Mann.
Und ich habe mir vorgenommen, ihn heute abend zurückzuerobern". Am Vorabend
zum zweiten Weltkrieg stellen sich drei Menschen unterschiedlicher
gesellschaftlicher Herkunft dieselben Fragen nach der Existenz echter
Gefühle, nach emotionaler Nähe und kultureller Verwurzelung. Zugleich ist
dieser Roman ein Abgesang auf die großbürgerliche mitteleuropäische Welt.
Michael Lukas Moeller, Wie die Liebe anfängt
Rowohlt Verlag, 219 Seiten, € 19.90
Die allerersten Minuten einer Liebe sind ein magischer Moment - was dabei
im Einzelnen abläuft, welche Folgen und Hintergründe diese ersten Augenblicke
einer Beziehung haben, erklärt anschaulich und mit vielen Beispielen dieses Buch.
In Sekunden unbewußter Kommunikation geschieht, was das Bewusstsein manchmal
erst viel später erfasst: die Liebe auf den ersten Blick. Das ist schon
Wunder genug. Denn wenn es zwischen zwei Menschen funkt, haben sich zwei
Lebensgeschichten mit allen Grundeinstellungen und geheimen Empfindungen
blitzartig für einen möglichen gemeinsamen Weg abgestimmt und völlig neu
kombiniert. Noch bedeutender wird dieser magische Moment der ersten Minuten
einer Verliebtheit, wenn eine Liebe und feste Beziehung entsteht. Denn dieser
Akt der Begegnung ist es, der so gut wie alles entstehen lässt. Es bildet sich
eine Lebenslange Beziehungsstruktur für das Paar, die über Glück und Unglück,
über den Sinn des eigenen Lebens, über Kreativität oder Verschleiß, Gesundheit
und Erkrankung entscheidet. Dieses Buch will helfen, einen persönlichen Zugang
zum eigenen seelischen Werden und zu verborgenen Seiten der Paarbeziehung zu
gewinnen.
Wolfgang Schömel: Die Schnecke
Verlag Klett-Cotta, 204 Seiten, € 17.00
Überwiegend neurotische Geschichten. Versuche einsamer Männer auf der
Suche nach dem Glück zu zweit. Online- Redakteure, Architekten oder
arbeitslose Philosophen sind die Helden dieser Geschichten. Gemeinsam
haben sie, daß sie als Singles leben und nicht recht wissen, ob sie sich
unglücklich fühlen oder nicht. Der Jagd nach dem Weibe gilt ihr ganzes
Sinnen und Trachten.
Amüsant und mit lakonisch genauer Beobachtung seiner Zeitgenossen,
beschreibt Wolfgang Schömel die verzweifelten Versuche einsamer Männer
auf der Suche nach dem Glück zu zweit. Wer die Männer verstehen will,
wird es lieben, wer nicht, auch.
Jürg Willi: Psychologie der Liebe
Verlag Klett-Cotta, 308 Seiten, € 19.00
Nichts stimmuliert die persönliche Entwicklung stärker als eine konstruktive
Liebesbeziehung. Nichts schränkt die persönliche Entwicklung stärker ein
und nichts verunsichert sie stärker als eine destruktive Liebesbeziehung.
Der Mensch benötigt andere Menschen , allen voran den Liebespartner zur
Entfaltung seines persönlichen Potentials.
Man darf heute wieder zugeben, daß man einen anderen Menschen braucht und
daß man gebraucht werden will. Es gibt eine neue Sehnsucht nach Bindung,
nach Nähe und Zärtlichkeit, nach stabiler Zweisamkeit. Alleinsein wird nur
als Übergangsform akzeptiert, nicht aber als Lebensform. Ehe und Familie gelten
wieder als ein Hort der Geborgenheit: dauerhafte Zweisamkeit als ein begehrtes
Luxusgut.
Haruki Murakami, Gefährliche Geliebte
DuMont Verlag; 230 Seiten, € 19,80
Gefährliche Geliebte" ist die Geschichte eines Einzelgängers, der zerrissen
ist zwischen dem Versuch, die normierte japanische Biografie nachzuleben,
und seinem Wunsch nach individuellem Glück: Der Roman beginnt damit, dass
Hajime sich als Zwölfjähriger mit seiner Schulkameradin Shimamoto anfreundet,
weil beide Einzelkinder in einer Zwei-Kind-Gesellschaft sind. Sie hören die
Schallplatten von Shimamotos Vater, eine Ouvertüre von Rossini, ein Klavierkonzert
von Liszt, Weihnachtslieder von Bing Crosby. Und Nat King Coles "South of the Border,
West of the Sun", was auch der Originaltitel des Romans ist.
Als Shimamoto auf eine andere Schule wechselt, versandet die Freundschaft. Hajime
findet jedoch seine erste Freundin wieder und betrügt sie ausgerechnet mit deren
Cousine. Diese Schuld trägt er durch die Jahre. Erst als er eine andere Frau kennen
lernt, heiratet und Vater zweier Töchter wird, als er seinen tristen Job in einem
Schulbuchverlag aufgibt und mit finanzieller Hilfe seines Schwiegervaters einen
Jazzclub aufmacht, fällt diese Schwere von ihm ab. Jetzt lebt er so, wie alle es
von ihm erwartet haben: geordnet und erfolgreich.
Bis eines Abends Shimamoto an der Bar sitzt und ihn tief in ihr inneres,
unerklärtes Drama hineinzieht und herauszerrt aus der perfekt scheinenden Welt,
die Hajime dem Vorbild der japanischen Zwei-Kind-Musterfamilie nachkonstruiert hat.
Am Ende kehrt Hajime zurück in seine Ehe. Aber er wird für immer ein Fremder
in seinem eigenen Leben sein. [Michael Bruns]
Karin Hertzer; Christine Wolfrum
Lexikon der Irrtümer über Männer und Frauen
Eichborn Verlag: 439 Seiten, € 22.50
Vorurteile, Missverständnisse und Halbwahrheiten von Autofahren bis Zuhören
Sind Frauen wirklich die besseren Menschen und Männer das starke Geschlecht?
Zu kaum einem Bereich des Lebens gibt es so viele Meinungen wie zum Thema
Männer & Frauen. Und bei kaum einem anderen Bereich liegen wir so oft
daneben. Vom Autofahren über Sex und Beziehungen bis hin zu Beruf und Gesundheit:
Die Autorinnen Karin Hertzer und Christine Wolfrum konfrontieren die
hartnäckigsten Vorurteile, Missverständnisse und Halbwahrheiten über
geschlechtsspezifische Verhaltensweisen mit provozierenden und überraschenden
Fakten aus Statistik, Verhaltensforschung und Wissenschaft. [Michael Bruns]
Alice Ferney, Liebende
DuMont Verlag; 302 Seiten, € 22.80
Es ist das Spiel der Verführung, das Pauline und Gilles miteinander spielen -
es ist das maskenreiche Gespräch zwischen Mann und Frau, eine intime
"conversation amoureuse", die Alice Ferney beschreibt: so sinnlich, so zart
in der Sprache, so hautnah am Leben, wie nur eine Frau sie schreiben kann.
Pauline Arnoult ist eine junge, glücklich verheiratete Frau, die zum zweiten mal
schwanger ist; Gilles Andre ist Mitte vierzig, steht kurz vor der Scheidung
und flüchtet sich in zahlreiche Affären. Die erotische Kraft der Worte schlägt
die beiden zunehmend in ihren Bann. Andere Paare treffen sich zur selben Zeit
an anderem Ort, Freunde treffen sich zu einer Soiree. Magische Facetten eines
alten Themas: "Ist man jemals sicher zu lieben?" [Michael Bruns]
Ingelore Ebberfeld, Küss mich
Ulrike Helmer Verlag; 251 Seiten, € 20.00
Eine unterhaltsame Geschichte der wollüstigen Küsse.
Wie es Menschen anderer Kulturen mit der Kusslust halten, wie in früheren
Zeiten geküsst wurde, wen und wohin Frauen und Männer am liebsten küssen -
Ingelore Ebberfeld kommentiert es augenzwinkernd und kenntnisreich.
Und beantwortet gar die genial einfache und schwierige Frage, weshalb
wir es überhaupt tun ... [Michael Bruns]
Annegret Braun, Ehe- und Partnerschaftsvorstellungen von 1948-1996
Waxmann Verlag; 173 Seiten, € 19,50
Eine kulturwissenschaftliche Analyse anhand von Heiratsinseraten.
Welche Erwartungen haben Frauen und Männer an eine Partnerschaft? Von welchen
gesellschaftlichen Wertvorstellungen sind diese geprägt? Wie haben sich diese
Werte seit dem Zweiten Weltkrieg verändert? Und wie ist das widersprüchlich
erscheinende Phänomen zu erklären, dass in unserer heutigen Zeit des romantischen
Liebesideals immer mehr Menschen auf eine Kontaktanzeige zurückgreifen?
Von diesen Fragen ausgehend, analysiert die Autorin Heiratsinserate aus den
Jahren 1948 bis 1996 und setzt die Inhalte in ihren historischen Kontext,
der Entwicklung von der Vernunftheirat zur Liebesheirat, die sich über das 19.
und 20. Jahrhundert erstreckte. Der Schwerpunkt dieser empirischen Untersuchung
liegt dabei auf dem Wandel des Geschlechterverhältnisses.
Der Placebo- Effekt, Selbstheilungskräfte unseres Körpers
Howard Brody & Daralyn Brody
dtv Verlag, € 9,50
Gesund aus eigener Kraft.
Dieses Buch eröffnet ein radikal neues Verständnis für den machtvollen Einfluss
des Geistes auf die Gesundheit. Es nimmt uns mit auf eine Reise in das psychisch-
biologische Wunderwerk unseres Körpers und stellt die grundsätzlichen Faktoren
vor, die für den positiven Verlauf einer Selbstheilung verantwortlich sind. Darauf
basierend präsentiert es wirksame Methoden, um selbst bewussst einen Placebo-
Effekt herbeizuführen und aktiv auf die eigene Gesundheit einzuwirken.
Mittendrin und nicht dabei,
Mit Depressionen leben lernen,
Ruedi Josuran, Verena Hoehne, Daniel Hell
Econ Verlag, € 8,95
Beide sind erfolgreich und stehen im öffentlichen Leben. Doch der Radiomoderator
Ruedi Josuran und die Filmemacherin und Sprecherin Verena Hoehne leiden unter
Depressionen. Der Briefwechsel zwischen den beiden, zeigt einfühlsam, wie
Depressive empfinden. Und er macht deutlich, wie Angehörige und Freunde den
Betroffenen zur Seite stehen können. Ein medizinischer Kommentar erläutert
zudem therapeutische Möglichkeiten.
Julian Barnes, Liebe usw.
Kiepenheuer & Witsch Verlag, € 19,90
"Die Ketten der Ehe sind so schwer, dass man sie bisweilen nur zu dritt tragen kann."
Eine Dreiecksgeschichte. Zwei Männer und eine Frau. Oliver und Stuart und Gillian.
Mit Stuart war sie, mit Oliver ist Gillian verheiratet, und die Geschichte ist noch
nicht zu Ende. Mit erzählerischer Raffinesse entwickelt Julian Barnes in seinem
neuen Roman ein komplexes Szenario von Liebe usw.
Anna Gavalda, Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet
Hanser Verlag, € 14,90
Anna Gavalda ist nichts Menschliches fremd, am wenigsten die Liebe. Sie beherscht
das komische wie das ernste Register und trifft dabei stets den richtigen Ton.
Ihre Chronik des modernen Alltags ist erheiternd und erbarmungslos zugleich:
unser Leben auf den Punkt gebracht.
Thommie Bayer, Das Aquarium
Eichborn Verlag, € 19.90
June ist jung, schön und gelähmt. Seit dem Tag, an dem sie in die gläserne
Wohnung gegenüber einzog, ist Barry elektrisiert und schaut ihr fasziniert
beim Leben zu. Er wünscht sich, ihr beizustehen, aber als sie ihn tatsächlich
braucht, versagt er.
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